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- Astronomie im Berchtesgadener Land -

Der Sternenhimmel im September 2011

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Die abgebildete Sternkarte ist für den 15. September um 23 Uhr Sommerzeit (MESZ) erstellt und zeigt den Sternenhimmel entsprechend am Monatsanfang rund eine Stunde später sowie am Monatsende ca. eine Stunde früher. M31 stellt die Andromedagalaxie dar - sie ist die hellste Galaxie am nördlichen Himmel und die einzige ihrer Art, die bei uns mit bloßem Auge beobachtet werden kann. Bei M13 handelt es sich um den hellsten Kugelsternhaufen am Nordhimmel, der als schönes Feldstecher-Objekt und unter guten Bedingungen auch mit bloßem Auge sichtbar ist (wichtig dabei: gute Adaption an die Dunkelheit). Bzgl. Jupiter vgl. den Text. Otto Pilzer
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Aus astronomischer Sicht beginnt der September gleich mit einer kleinen beobachterischen Herausforderung. Noch während der Dämmerung kann am 1. versucht werden, tief im Südwesten die noch schmale Mondsichel zu erhaschen. Obwohl seit Neumond schon fast vier Tage vergangen sind, ist dies gar nicht so einfach. Das liegt daran, dass der Mond momentan eine recht südliche Stellung einnimmt. Seine Deklination sinkt in den folgenden Tagen sogar noch weiter, bis am 5. Sept. bei etwa -23 Grad das Minimum durchschritten wird. Somit ist die Mondbeobachtung in diesen ersten Septembertagen generell interessant. Wenn man so wie wir in Alpennähe wohnt, kann man auch einen etwas erhöhten Standort mit Blickkontakt auf die Berge wählen. Mit etwas Einsatz schafft man es dann vielleicht, die Mondsichel genau hinter einer markanten Bergspitze "untergehen zu lassen". Die Beobachtung dieses Schauspiels mit Feldstecher oder Fernrohr bleibt lange in Erinnerung. Auch der ambitionierte Fotograf kommt bei solchen Motiven natürlich voll auf seine Kosten.

In der ersten Septemberwoche kann vielleicht auch noch Saturn tief im Westen aufgefunden werden, wenn die Horizontsicht dies zulässt. Man nimmt am besten einen Feldstecher zu Hilfe, um den 1mag hellen Ringplaneten in der hellen Abenddämmerung etwa 25 Grad unterhalb des Sterns Arkturus zu erspähen. Am 1. sinkt er um etwa 20:15 unter den Horizont, fünf Tage später bereits 20 Minuten früher. Die folgenden Monate wird er für uns unsichtbar bleiben, weil er hinter der Sonne herum wandert.

Zum Planeten der Nacht wird immer mehr der Gasriese Jupiter. Sein Aufgang verfrüht sich von 22 Uhr zu Monatsanfang auf 20 Uhr zum Ende des Monats. Bei einer Helligkeit von -2,8mag ist er südlich des Widders nicht zu übersehen. Sein scheinbarer Äquatordurchmesser liegt mit 46 Bogensekunden schon nahe an dem Maximum, das Ende Oktober zur Opposition erreicht werden wird. Deshalb lassen sich die vier hellsten Trabanten und seine Wolkenbänder zu späterer Stunde auch jetzt schon bestens beobachten. Bereits in kleinen Instrumenten sieht man das schmälere nördliche Äquatorband und das wieder zurück gekehrte breitere südliche Band, in das auch der Große Rote Fleck eingebettet ist.

In der zweiten Nachthälfte gesellt sich noch Mars hinzu. Mit momentan 1,4mag sticht er zwar noch nicht ins Auge, ist mit seiner Stellung südlich des Dioskurenpaares Castor und Pollux in den Zwillingen jedoch relativ leicht zu lokalisieren. Ende des Monats erreicht er den offenen Sternhaufen der Krippe und durchquert ihn in den folgenden Tagen.

Zur Morgendämmerung zeigt sich noch Merkur, der im Laufe des Monats durch den Löwen wandert. Bei günstiger Horizontsicht ist er jedoch nur in der ersten Monatshälfte mit freiem Auge zu sehen. Im Laufe der kurzen Sichtbarkeitsperiode erhöht sich seine Helligkeit von 0mag zu Monatsanfang auf mehr als -1mag zur Monatsmitte. Auch sein Aufgang verspätet sich von zuerst 4 Uhr auf 4:45 Uhr. Am Morgen des 9. Sept. kommt es zu einem Rendezvous von Merkur und Regulus, bei dem sie sich auf weniger als 1 Grad nahe kommen. Da Regulus mit 1,4mag jedoch deutlich leuchtschwächer ist, dürfte die Beobachtung zumindest ein Fernglas erfordern.

Neben den Planeten lädt auch der übrige Sternenhimmel wieder so richtig zum Schauen ein, wird es jetzt doch wieder deutlich früher dunkel. Am 21. Sept. überschreitet die Sonne auf ihrem Weg nach Süden den Himmelsäquator, nach astronomischen Kriterien beginnt damit der Herbst. Der Wechsel der Jahreszeit zeigt sich auch, wenn wir einen Blick auf die Sternkarte werfen, die für die Monatsmitte um 23 Uhr MESZ erstellt wurde. Die klassischen Sommersternbilder Adler, Schwan und Leier sind bereits zur westlichen Hemisphäre gewechselt, während die Herbststernbilder Pegasus und Andromeda östlich des Meridians beinahe schon die gleiche Höhe erreicht haben. Würden wir die Szenerie um Mitternacht Ortszeit betrachten, was wegen unserer Sommerzeit ca. 1 Uhr MESZ entspricht, wäre das Ergebnis eindeutig: Pegasus kulminierte zu dieser Zeit genau im Süden. Doch nun wieder zurück zu unserer 23Uhr-Sternkarte.

Zwischen Leier und Horizont gibt es noch den Herkules und bei klarer Sicht vielleicht auch das kleine Halbrund der Nördlichen Krone zu entdecken. Lässt man nun den Blick entlang des Horizonts nach Norden streifen, trifft man auf den Großen Wagen, der "mit den Rädern nach unten" am Nordhorizont steht. Wenn man die beiden hinteren Kastensterne in einer gedachten Linie fünffach Richtung Zenit verlängert, trifft man auf den Polarstern, den äußersten Deichselstern des Kleinen Wagens, der fast unveränderlich die Nordrichtung markiert und in jeder klaren Nacht zur Orientierung dienen kann. Zwischen den beiden Wagen schlängelt sich der Drache hindurch, dessen Kopfende wieder auf Herkules weist.

Zwischen Polarstern und Zenit treffen wir zunächst auf Kepheus, an den sich in östlicher Richtung die Sternbilder Kassiopeia und Perseus anschließen. Unmittelbar am NO-Horizont ist vielleicht auch noch das Fünfeck des Fuhrmanns zu erkennen. Wenn man von hier aus den Blick noch mal zurück über den Zenit hinaus wandern lässt, zeigt sich in einer richtig sternklaren Nacht das helle diffuse Band der Milchstraße, das auf der fast gegenüberliegenden Seite im Südwesten wieder in den Horizont eintaucht. Im Bewusstsein, selbst Teil der Milchstraße, ja sogar Resultat ihrer Milliarden Sterne zu sein, wird alles andere als pures Staunen zur Farce.

Bernhard Kindermann


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Otto J. Pilzer, 2011-09-01