LOGO

- Astronomie im Berchtesgadener Land -

Der Sternenhimmel im Mai 2013

[1305_sternenhimmel_kk.jpg]
Die abgebildete Sternkarte ist für den 15. Mai um 23 Uhr Sommerzeit (MESZ) erstellt und zeigt den Sternenhimmel entsprechend am Monatsanfang rund eine Stunde später sowie am Monatsende ca. eine Stunde früher. Bei M13 handelt es sich um den hellsten Kugelsternhaufen am nördlichen Himmel, der ein schönes Feldstecher-Objekt darstellt und unter guten Bedingungen auch mit bloßem Auge sichtbar ist (wichtig dabei: gute Adaption der Augen an die Dunkelheit). Bzgl. Saturn vgl. den Text. Otto Pilzer
[Zum Vergrößern bitte Bild anklicken]

In großen Schritten nähern wir uns den längsten Tagen des Jahres, denn die astronomisch nutzbare Beobachtungszeit halbiert sich im Lauf des Monats beinahe von 5,5 auf 3 Stunden. Das Frühjahr gilt als Eldorado für Galaxienjäger, da sich jetzt schier unzählige dieser Objekte am Nachthimmel tummeln. Am Besten reserviert man sich hierfür die erste Monatshälfte, denn viele dieser Galaxien kulminieren dann im Süden und außerdem stört kein helles Mondlicht, da am 10. Mai Neumond herrscht.

Zu den bedeutendsten Galaxiengruppen gehört der Virgohaufen, der zwischen den Sternbildern Jungfrau und Haar der Berenike angesiedelt ist. Beide Sternbilder stehen momentan auf halber Höhe fast exakt im Süden. Das Licht dieser Galaxien ist 60 Mio Jahre unterwegs, ehe es in unser Auge trifft. Damit ist auch schon eine geläufige astronomische Entfernungsskala angesprochen - man sagt, diese Objekte sind 60 Mio Lichtjahre von uns entfernt. In unserer Sternkarte, die wieder für 23 Uhr gilt, sind diese leuchtschwachen Galaxien nicht eingezeichnet, da ihre hohe Zahl zum einen die Karte völlig überladen würde und sie zum anderen auch nur für erfahrene Beobachter mit mittleren und größeren Instrumenten empfohlen werden können. Derjenige, der sich daran versuchen möchte, sollte auf spezielle Literatur zurückgreifen oder sich mit einem im Internet verfügbaren Astronomieprogramm eine höher auflösende Karte des betreffenden Himmelsausschnitts erstellen.

Diamanten am Himmel

Den eigentlichen Glanz im Haar der Berenike versprühen jedoch nicht die Galaxien, sondern der als Melotte 111 katalogisierte Coma-Sternhaufen, eine Ansammlung von etwa 15 Sternen 4. bis 5. Größe. Obwohl es sich hier also "nur" um Einzelsterne handelt, können sie schon mit dem freien Auge gesehen werden. Der Grund dafür ist, dass sie mit knapp 300 Lj Entfernung im Vergleich zum Galaxienhaufen nur einen Katzensprung von uns entfernt sind. In ihrer Gesamtheit zaubern sie einen relativ hellen Lichtfleck an den Himmel, der ein wenig an die Plejaden erinnert. Beeindruckend wird das Seherlebnis, wenn man einen kleinen Feldstecher mit geringer Vergrößerung (max. 7-fach) bemüht. Es soll nämlich ein möglichst großes Sichtfeld übrig bleiben, um den vier Grad durchmessenden Sternhaufen in seiner Gesamtheit vor dem ansonst samtschwarzen Nachthimmel im Bild zu haben. Wie ein verstreuter Beutel Diamanten blitzen sie dann am Himmel auf und auch ihre Anzahl hat sich unter Zuhilfenahme des Fernglases noch mal verdoppelt.

Saturn hat Jupiter abgelöst

Bis auf Saturn halten sich die anderen hellen Planeten im Mai ziemlich im Hintergrund. In der ersten Monatshälfte kann mit unbewaffnetem Auge lediglich Jupiter noch während der Abenddämmerung tief im Westen aufgefunden werden. Seine Helligkeit hat sich inzwischen auf -2mag reduziert. Am Monatsende stoßen Merkur und Venus dazu und bilden dort zusammen mit Jupiter ein kompaktes Dreigestirn. Die -3mag helle Venus kann vielleicht als Aufsuchhilfe dienen, da sie sowohl Jupiter als auch Merkur (-0.7mag) deutlich überstrahlt. An der Stelle, wo die Sonne eine Stunde früher untergegangen ist, wären sie in einem Feldstecher gemeinsam im Bildfeld zu sehen, jedoch nur bei exzellenter Horizontsicht. Das Dreigestirn geht kurz nach 22 Uhr unter, Jupiter und Venus schreiten dabei voran, der lichtschwächere Merkur folgt etwa eine Viertelstunde später. Da es erst ab 23 Uhr wirklich dunkel wird, findet das Ganze noch in der sehr hellen Abenddämmerung statt. Die erfolgreiche Beobachtung stellt also eine gewisse Herausforderung dar. Auch Naturfotografen können sich mit einer Telebrennweite an die Szene heran wagen und mit Hilfe eines interessanten Vordergrunds ein schönes Abendrot-Bild mit "astronomischem Leckerbissen" schießen.

Planet der ganzen Nacht bleibt jedoch weiterhin Saturn, der Ende April seine Oppositionsstellung zur Sonne durchlaufen hat. Sein Durchgang verfrüht sich im Laufe des Monats von 1 Uhr auf 23 Uhr, wodurch er um Mitternacht seine größte Höhe erreicht. Aber auch schon bei Einbruch der Dunkelheit kann er optimal beobachtet werden. Die eigentliche Sensation bei Saturn ist sein komplexes Ringsystem, das trotz eines äußeren Durchmessers von 270 Tausend Kilometern (A-Ring) lediglich ca. 10 km dick ist. Der Vergleich mit einem normalen Blatt Papier veranschaulicht die Dimensionen. Das Blatt müsste etwa vier Meter Durchmesser haben, damit Größe und Dicke im gleichen Verhältnis zueinander stehen. Raumsonden haben die lang gehegte Vermutung bestätigt, dass sich der Ring zum größten Teil aus kleinen Staubkörnen im mm-Bereich bis zu größeren 10m-Brocken zusammensetzt. Es handelt sich also um eine lose Teilchenansammlung, die nur gravitativ zu diesem filigranen Ring zusammengehalten wird.

Um den Ring erkennen zu können, reicht schon das kleinste Fernrohr (2-Zöller) und eine etwa 30-fache Vergrößerung aus. Mit einem doppelt so großen Objektiv (100mm Durchmesser = 4-Zöller) kann man locker 100-fach vergrößern und erkennt dann, dass der Ring nicht vollkommen homogen ist, sondern aus dem inneren hellen B-Ring und dem äußeren lichtschwächeren A-Ring besteht. Bei perfekt ruhiger Luft lässt sich sogar eine dunkle Lücke zwischen den beiden Ringen erfassen, die nach seinem Entdecker benannte Cassini-Teilung. Interessant sind auch die auftretenden Schattenspiele. Zum einen wirft der Ring seinen Schatten auf die Planetenoberfläche, der dann bei hoher Vergrößerung entlang der Ringkante als schmaler dunkler Streifen erkennbar wird. Zum andern projiziert der Planet seinen Schatten auf den hinteren Ringabschnitt. Dieser Schatten kann aber nicht direkt zur Opposition beobachtet werden, weil die Sonne dann genau hinter uns steht und der Schatten für uns verdeckt bleibt. Drei Wochen nach der Opposition, sollte es aber klappen, z.B. ab der zweiten Monatshälfte. Nicht zuletzt wird Saturn von sehr vielen Monden umrundet, die allerdings alle deutlich lichtschwächer sind als Jupiters Trabanten. Der hellste von ihnen, Titan, hat zum Beispiel nur 8mag. Wenn man also einen schwachen Stern im Umfeld des Saturn erkennt, kann es jederzeit sein, dass es sich um einen seiner Monde handelt.

Bernhard Kindermann


Zum Monatsthema Mai 2013

Zu den anderen Sternenhimmel-Artikeln


[AAL] Zurück zur Home Page der AAL
Otto J. Pilzer, 2013-05-01