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- Astronomie im Berchtesgadener Land -

Der Sternenhimmel im September 2017

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Die abgebildete Sternkarte ist für den 15. September um 23 Uhr Sommerzeit (MESZ) erstellt und zeigt den Sternenhimmel entsprechend am Monatsanfang rund eine Stunde später sowie am Monatsende ca. eine Stunde früher. M31 stellt die Andromedagalaxie dar - sie ist die hellste Galaxie am nördlichen Himmel und die einzige ihrer Art, die bei uns mit bloßem Auge beobachtet werden kann. Bei M13 handelt es sich um den hellsten Kugelsternhaufen am Nordhimmel, der als schönes Feldstecher-Objekt und unter guten Bedingungen auch mit bloßem Auge sichtbar ist (wichtig dabei: gute Adaption an die Dunkelheit). Bzgl. Saturn vgl. den Text. Otto Pilzer
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Die Urlaubswochen sind vorbei, der Alltag kehrt zurück. Auch der Blick zum nächtlichen Himmel zeigt uns, dass sich gegenüber den warmen Sommermonaten Juni, Juli und August der Anblick stark verschoben hat.

Besonders bemerkt man den beginnenden Herbst an den Aufgangs- und Untergangszeiten der Sonne. Unser hellster Stern am Himmel geht Mitte des Monats erst um 6:45 h auf, um 19:20 h unter. Für uns Amateurastronomen ist das gut, bleibt uns doch wieder wesentlich mehr Zeit für unsere Lieblingsbeschäftigung.

Die inneren Planeten Merkur und Venus sowie Mars sind am Morgenhimmel zu bewundern. Merkur und Mars allerdings nur bei sehr guter Sicht zum östlichen Horizont. Merkur steht ab 10., Mars ab 19. September tief am Horizont. An 19.9. gibt es eine wahrhaft schöne Konstellation der genannten 3 Planeten zusammen mit der schmalen Sichel des Monds und Regulus, dem Hauptstern des Löwen.

Jupiter ist nahezu verschwunden, Saturn immer noch ein Objekt des frühen Abendhimmels. Man muss sich allerdings nach Sonnenuntergang sputen, denn der Ringplanet geht bereits um 23 Uhr unter. Für Besitzer eines Teleskops seien die fernen Planeten Uranus und Neptun ans Herz gelegt, die in den Fischen und im Wassermann unterwegs sind. Die notwendigen Aufsuchkärtchen können Sie im Internet finden.

Betrachtet man den Nachthimmel um 23 Uhr MESZ, so fällt einem sofort eine Sternkonstellation auf, die unter dem Namen Sommerdreieck bekannt ist. Diese wird gebildet aus den 3 hellen Sternen Deneb im Schwan, Vega in der Leier und Altair im Adler.

Warum sind diese Sterne besonders hell und andere nicht? Das hängt zum einen von der Entfernung zur Erde ab, zum anderen aber von anderen Faktoren ab wie Masse, absolute Leuchtkraft und Entwicklungsgrad des Sterns. Nehmen wir an, dass alle Sterne gleichweit von der Erde entfernt sind, sagen wir 200 Lichtjahre (Lj). Dann ergibt sich ein völlig anderes Bild am Nachthimmel. Einige der vorher schwachen Sterne strahlen hell am Himmel, andere treten in den Hintergrund. Die Sterne unterscheiden sich also in der absoluten Helligkeit im visuellen Strahlungsbereich.

Die scheinbare Helligkeit von Vega in der Leier beträgt +0,03 mag. Vega strahlt deshalb so hell, weil der Abstand von der Erde "nur" 25 Lj beträgt. Vega ist der zweithellste Stern der nördlichen Hemisphäre, zählt mit ca. 500 Millionen Jahren noch zu den jüngeren Sternen auf der Hauptreihe des Hertzsprung-Russel-Diagramms.

Deneb im Schwan hat eine scheinbare Helligkeit von 1,25 mag, ist aber mit 3200 Lj (vom ESA-Satelliten Hipparcos gemessen) wesentlich weiter als Vega entfernt und. Die absolute visuelle Helligkeit von Deneb beträgt -8,6 mag. Deneb ist damit absolut heller als Vega.

Altair hat eine scheinbare Helligkeit von 0,76 mag, hat die 11-fache Leuchtkraft der Sonne, ist auf seiner Oberfläche etwas heißer als die Sonne und einige Hundert Millionen Jahre alt. Sein Wasserstoffvorrat reicht noch 1 Mrd. Jahre, danach wird er sich zum Roten Riesen entwickeln und schließlich als Weißer Zwerg sein Sternenleben beenden.

Die beiden hellsten Sterne des derzeitig sichtbaren Nordhimmels sind Arcturus im Bärenhüter (-0,05 mag) und Capella im Fuhrmann (0,08 mag). Allerdings stehen diese so tief am nordwestlichen bzw. nordöstlichen Horizont, dass sie vom Horizontdunst stark geschwächt und nur bei exzellenter Horizontsicht entdeckt werden können. Arcturus ist ein relativ alter Stern. Sein Alter (seit Beginn des Wasserstoffbrennens) wird auf 5 bis 8 Mrd. Jahre geschätzt. Er ist damit etwa doppelt so alt wie das Sonnensystem. Capella ist ein Doppel-Doppelsternsystem. Während die helleren Komponenten zu den Gelben Riesen gezählt werden, sind die beiden schwachen Komponenten Rote Riesensterne.

Nach dieser etwas speziellen Abschweifung schauen wir uns den Sternhimmel näher an. Links und rechts des Meridians erstrecken sich entlang der Ekliptik die Tierkreiszeichen Wassermann, Steinbock und Schütze. Nach Osten hin sehen Sie das Sternbild Fische, in dem sich der Uranus aufhält und noch weiter im Osten den Widder und das gerade im Aufgang befindlichen Sternbild Stier mit dem allbekannten Siebengestirn, auch Plejaden genannt.

Drehen Sie sich um und Ihr Blick geht nach Norden. Tief am Horizont steht der Großen Bär, weiter nach Westen befindet sich der Bärenhüter (Bootes) mit dem schon in der Antike in der Seefahrt zum Navigieren benutzten Hauptstern Arcturus. Etwas südlich davon können Sie die Nördliche Krone sehen. Im Osten erstrecken sich Fuhrmann, Perseus und Kassiopeia. Um den Polarstern herum können Sie den Kleinen Bär, den Drachen und Kepheus entdecken.

Eine große Hilfe beim Sichten der Sternbilder stellt der Selbstbau oder der Kauf einer beweglichen Sternkarte dar und eine rot leuchtende Taschenlampe ergänzt die kleine Ausrüstung.

Gleich zu Beginn des Monats treten die Alpha-Aurigiden mit scheinbarem Ursprung (Radiant) bei Capella im Fuhrmann auf. Es sind schnelle Sternschnuppen. Leider stört der halbe Mond etwas. Die weiteren Sternschnuppenströme im September sind eher wenig spektakulär.

Walter Conrad


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Otto J. Pilzer, 2017-09-01