LOGO

- Astronomie im Berchtesgadener Land -

Der Sternenhimmel im Dezember 2022

[2212_sternenhimmel_kk.jpg]
Die abgebildete Sternkarte ist für den 15. Dezember um 21 Uhr MEZ erstellt und bildet den Sternenhimmel entsprechend am Monatsanfang rund eine Stunde später sowie am Monatsende ca. eine Stunde früher ab. Die Andromedagalaxie M31 als hellste Galaxie am nördlichen Himmel und M42 sind schöne Feldstecher-Objekte, aber auch nach guter Adaption an die Dunkelheit leicht mit bloßem Auge als "diffuse Flecken" sichtbar. Bzgl. M42, Mars und Jupiter vgl. den Text. Otto Pilzer
[Zum Vergrößern bitte Bild anklicken]

Die Weihnachtszeit steht vor der Tür und mit ihr neigt sich das Jahr wieder langsam dem Ende zu. Die Wintersonnenwende am 21. kündigt die kalte Jahreszeit an, nährt aber gleichzeitig schon die Hoffnung auf den nächsten Frühling, weil die Sonne nun allmählich wieder höher steigt und die Tage länger werden.

Im Dezember ist jeder der fünf hellen Planeten zu sehen, wenn auch nur für kurze Zeit. So zeigt sich im letzten Monatsdrittel die helle Venus wieder am Abendhimmel. Dabei erstrahlt sie noch nicht als dominanter Abendstern in großer Höhe, sondern beginnt ihre Sichtbarkeitsperiode recht unscheinbar knapp über dem Südwesthorizont. Am 20. kann sie dort ab ca. 17:15 Uhr beim Untergang begleitet werden.

Auch der sonnennahe Merkur kann um den 22. herum kurz entdeckt werden. Da er mit -0,5 mag deutlich lichtschwächer ist als Venus, nimmt man am besten ein Fernglas zu Hilfe. Man findet den Götterboten etwa einen Bildfelddurchmesser östlich der mit -4 mag viel helleren Venus.

Mars ist der Star

Den Star in diesem Monat gibt aber unser äußerer Nachbar Mars ab. Er gelangt am 8. in Opposition zur Sonne und seine Helligkeit wird mit -2,0 mag maximal. Sein Abstand von der Erde (81,5 Mio. km) ist zwar nicht ganz so gering wie in vergangenen Oppositionsperioden, jedoch erreicht er Höhen bis zu 67° über dem Horizont, so dass wir optimale Beobachtungsbedingungen vorfinden.

Schon in einem kleineren Teleskop wird man Strukturen auf dem etwa 17" Durchmesser zeigenden Marsscheibchen entdecken können. Mit etwas Geduld und mehrfacher Beobachtung wird man auch feststellen, dass sich die Strukturen weiter bewegen. Die Rotationsperiode des Mars liegt mit 24,6 Stunden überraschend nahe bei der Erde, so dass sich im Verlauf weniger Stunden schon Veränderungen zeigen. Einige erinnern sich vielleicht noch an die tollen Mars-Bilder vergangener Jahre, die Amateuren trotz widriger Umstände (geringe Horizonthöhe) gelungen sind. Die guten Bedingungen in diesem Jahr werden es erlauben, ein bisschen davon auch visuell nachvollziehen zu können.

Am Oppositionstag werden wir zusätzlich ein außergewöhnliches Highlight mitverfolgen können, wenn der im Sternbild Stier leuchtende Mars von 6 bis 7 Uhr früh von unserem Erdmond bedeckt wird. Zufällig herrscht an diesem Tag auch noch Vollmond, so dass ein Teleskop hilfreich sein wird, um die beiden Himmelskörper möglichst nahe bis zum Kontakt getrennt sehen zu können.

Auch Jupiter strahlt mit -2,5 mag unübersehbar dominant am Abendhimmel. Das für den Mars vielleicht extra aufgebaute Fernrohr kann man also dazu nutzen, auch auf die Wolkenbänder des Planetenriesen einen Blick zu werfen. Zudem begeistert das Positionsspiel seiner vier hellen Monde immer wieder aufs Neue - speziell dann, wenn einer von ihnen gerade hinter Jupiter (bzw. in seinem Schatten) verschwindet oder wieder auftaucht. Die Zeitpunkte dieser häufigen Ereignisse findet man im Jahrbuch oder Internet; eine Aufzählung hier würde zu viel Platz rauben.

Schlussendlich ist auch noch Saturn zu sehen, so dass der Planeten-Reigen komplett wird. Man findet ihn in den frühen Abendstunden in südwestlicher Richtung im Sternbild Steinbock. Um einen schönen Blick auf seinen Ring zu erhaschen, sollte man sich gleich nach Untergang von Venus und Merkur auf ihn konzentrieren. Zu diesem Zeitpunkt steht er noch recht hoch am Himmel.

Das südliche und südwestliche Firmament wird um die Zeit, für die unsere Sternkarte erstellt wurde, noch von den Herbststernbildern dominiert. Trotzdem sind am Osthimmel bereits die meisten Wintersternbilder aufgegangen. Sogar Sirius im Großen Hund, der hellste Fixstern des Himmels, hat gerade eben die Horizontlinie durchbrochen. Vorausgegangen sind ihm der Himmelsjäger Orion mit seinem Hauptstern Rigel, Stier mit Aldebaran, Fuhrmann mit Kapella, die Zwillinge mit Kastor und Pollux sowie der Kleine Hund mit Prokyon. Diese hellsten Sterne der genannten Sternbilder bilden das sogenannte Wintersechseck.

Zu den besonders lohnenswerten Feldstecher-Objekten am Winterhimmel gehören z.B. die Plejaden M45 (Siebengestirn), aber auch der offene Sternhaufen der Hyaden im Zentrum des Stiers bei Aldebaran. Unübertroffen zeigt sich aber das Schwertgehänge des Orion mit mehreren offenen Sternhaufen und dem berühmten Orionnebel M42.

Natürlich sorgen im Dezember auch Sternschnuppen für Kurzweil, wenngleich deren systematische Beobachtung etwas "Kälte-Resistenz" voraussetzt. Die bekannten Geminiden mit ihrem Maximum um den 13./14. werden leider vom hellen Mond beeinträchtigt. Deshalb sei auf die Ursiden verwiesen, die in der Nacht vom 21. auf den 22. ihr ausgeprägtes Maximum haben. Gegen Mitternacht können normalerweise etwa 10 Meteore pro Stunde erwartet werden. In den Jahren 2017 und 2020 stieg die Rate jedoch auf bis zu 30 Sternschnuppen pro Stunde an. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass dies auch 2022 passiert. Vielleicht überprüfen Sie das einfach selbst?

Im Namen aller Sternenhimmel-Autoren wünsche ich Ihnen eine gesegnete Weihnachtszeit.

Bernhard Kindermann


Zu den Monatsthemen

Zu den anderen Sternenhimmel-Artikeln


[AAL] Zurück zur Home Page der AAL
Otto J. Pilzer, 2022-12-01