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- Astronomie im Berchtesgadener Land -

Der Sternenhimmel im Juni 2023

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Die abgebildete Sternkarte ist für den 15. Juni um 23 Uhr Sommerzeit (MESZ) erstellt und bildet den Sternenhimmel entsprechend am Monatsanfang rund eine Stunde später sowie am Monatsende ca. eine Stunde früher ab. M13, der hellste Kugelsternhaufen am Nordhimmel, ist nach Adaption der Augen an die Dunkelheit bei klarem dunklem Himmel gerade noch freisichtig zu beobachten, es empfiehlt sich aber die Verwendung eines Feldstechers. Bzgl. Mars und M31 vgl. den Text. Otto Pilzer
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Im Juni ist die Ekliptik bei Tag am höchsten und mit ihr haben wir die größte Taglänge. Entsprechend liegt die Ekliptik bei Nacht in Horizontnähe, was die Beobachtung von Planeten schwieriger macht. Dazu kommt noch die Kürze der Nacht, welche die Beobachtungszeit allgemein einschränkt. Doch es gibt auch positive Aspekte: So blicken wir bei Nacht auf das Zentrum der Milchstraße im Sternbild Schütze, das sonst auf der Tagseite liegt. Zwar ist der Blick auf das Zentrum selbst durch Gas- und Staubwolken versperrt, aber in diesem Bereich ist eine große Anzahl an Gasnebeln, Kugelsternhaufen und Offenen Sternhaufen zu finden. Zu ihrer Beobachtung ist allerdings ein gutes Fernglas oder besser noch ein Fernrohr erforderlich.

Am 21. Juni ist die Sommersonnenwende. Der Sonnenuntergang verschiebt sich geringfügig von 21 Uhr am 1. Juni auf 21:11 am 30. Juni, der Sonnenaufgang bleibt fast unverändert (Monatsanfang 5:14, Ende 5:12). Da die Sonne in der Nacht nicht tief unter den Horizont sinkt, verringert sich die Nachtlänge von 2,5 Stunden auf 1 Stunde 40 Minuten. Die echte Beobachtungszeit (nach der astronomischen Dämmerung) ist daher kurz. Außerdem muss man noch den Mond berücksichtigen: Vollmond ist am 4. und der günstige Neumond am 18. Juni. Aber für hellere Objekte, wie z.B. die Planeten, muss es ja nicht ganz dunkel sein.

Nach Sonnenuntergang ist im Westen Venus (-4 mag) und etwa eine Hand breit östlich vor ihr Mars (1,7 mag) zu sehen. Venus geht am 1. Juni um 0 Uhr 15 unter, Mars um 0 Uhr 40. Im Lauf des Monats nähert sich Venus immer mehr dem Mars, wobei ihre Helligkeit noch etwas zunimmt, während Mars schwächer wird. Beide gehen am Monatsanfang nach Mitternacht unter, zu Monatsende aber schon gegen 23:30 Uhr. Danach müssen wir warten, bis um 2 Uhr morgens im Osten Saturn aufgeht. Der Ringplanet steht im Wassermann und hat eine Helligkeit von 0,9 mag, die im Lauf des Monats etwas zunimmt. Kurz vor 4 Uhr geht Anfang des Monats auch Jupiter (-2,2 mag) im Widder auf, gegen Ende des Monats ist das schon kurz nach 2 Uhr der Fall. Merkur nähert sich der oberen Konjunktion und ist im Juni nicht zu sehen.

Im Süden haben wir jetzt auch einen guten Blick auf das Sternbild Skorpion, dessen Sternenkette leicht die Vorstellung eines Skorpions mit den Scheren und aufgerichtetem Stachel erweckt. Es liegt im Zentrum der Milchstraße und man findet dort viele Sternhaufen und Nebel. Sogar die altamerikanischen Kulturen sahen es als Skorpion und verewigten ihn in Steinzeichnungen. Sein Hauptstern Antares (Alpha Scorpii) ist ein leicht veränderlicher roter Überriese in 550 LJ Entfernung. Seine Helligkeit schwankt zwischen 0,86 und 1,06 mag, kann aber in Extremfällen auf 1,6 mag sinken. Sein Durchmesser beträgt etwa eine Milliarde Kilometer. Antares ist ein Doppelstern und hat in 550 AE Entfernung einen Begleitstern mit 5,5 mag. Beide Sterne umkreisen einander in 878 Jahren.

Blicken wir nun hinauf in den Zenit, so sehen wir das kleine, aber markante Sternbild der Nördlichen Krone. In der Mitte des Bogens steht ihr hellster Stern Gemma, ein variabler Stern mit 2,3 mag Helligkeit.

Nun wenden wir unseren Blick nach Osten, wo die Sterne des Sommerdreiecks mit ihren Sternbildern bereits an Höhe gewonnen haben. Es sind dies Deneb im Schwan, Vega in der Leier und Atair im Adler. Diese Sternbilder werden auch als "Vogelsternbilder" bezeichnet, weil die Leier früher auch als Geier bekannt war und der Name Vega sich aus dem Arabischen ableitet und dort "herabstoßender Adler" bedeutet. Der eindrucksvolle Ringnebel in der Leier, ein Planetarischer Nebel mit 8,8 mag, bedarf allerdings eines guten Fernrohrs.

In der späteren Nacht steigen über Saturn und Jupiter auch Pegasus und Andromeda auf. Das markante Pegasus-Viereck wird nach Osten gefolgt vom Sternbild Andromeda, wobei die letzte Ecke des Vierecks - der Stern Sirrah (2,1 mag) - schon zu Andromeda gehört. Geht man vom dritten Stern um eine Länge nach oben, so findet man ein verschwommenes Fleckchen: das ist die Andromeda-Galaxie M 31, die Schwestergalaxie unserer Milchstraße. Sie ist die einzige Spiralgalaxie, die man auch mit bloßem Auge sehen kann. Eine Forschergruppe hat jetzt in einer aufwändigen Untersuchung von 7.500 Sternen in ihrem Umfeld festgestellt, dass sie vor rund zwei Milliarden Jahren mit einer kleineren Galaxie kollidiert ist. Bekannt war schon, dass auch unsere Milchstraße früher Zwerggalaxien verschluckt hat.

An Sternschnuppenströmen sind die Juni-Lyriden zu nennen, die vom 11. bis 21. Juni beobachtet werden. Sie scheinen aus der Leier zu kommen und haben eine Geschwindigkeit von 31 km pro Sekunde. Ihr Maximum ist am 16. Juni kurz vor Neumond, aber ihre Anzahl variiert. Außerdem sind noch die Juni-Bootiden zu nennen, die aus dem Norden des Sternbilds Bootes zu kommen scheinen. Ihr Maximum tritt zwischen dem 23. und 28. Juni auf. Sie sind sehr langsam (18 km/s). Als ihr Ursprung gilt der Komet 7P/Pons-Winneke.

Nun hoffen wir, dass uns der Wettergott - vor allem in den Wochen um den Neumond - einen klaren, wolkenlosen Himmel beschert.

Gerardo Inhester


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Otto J. Pilzer, 2023-06-01