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- Astronomie im Berchtesgadener Land -

Der Sternenhimmel im Oktober 2023

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Die abgebildete Sternkarte ist für den 15. Oktober um 23 Uhr Sommerzeit (MESZ) erstellt und bildet den Sternenhimmel entsprechend am Monatsanfang rund eine Stunde später sowie am Monatsende ca. eine Stunde früher (nach dem Ende der Sommerzeit entspricht das dann 21 Uhr MEZ) ab. Die Andromedagalaxie M31, die hellste Galaxie am nördlichen Himmel, kann als einzige ihrer Art bei uns mit bloßem Auge gesehen werden. Bei M13 handelt es sich um den lichtstärksten Kugelsternhaufen am Nordhimmel, der - solange er hoch genug über dem Horizont steht - ein schönes Feldstecher-Objekt ist. Bzgl. Jupiter und Saturn vgl. den Text. Otto Pilzer
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Zunächst zur Verwendung der abgebildeten Sternkarte. Ihren Mittelpunkt bildet der Zenit, das ist am Himmel immer der Punkt genau über uns. Der Kreis am Rand der Karte ist dann der Horizont, der natürlich durch Gelände oder Gebäude eingeschränkt sein kann. In horizontnähe wird die Beobachtung durch den längeren Weg des Lichts durch die Atmosphäre und Dunst zudem behindert. Alle Objekte leuchten dort daher schwächer. Nun fehlt nur noch die Bestimmung der Himmelsrichtung - auf der Karte ist sie jeweils angegeben, am Himmel kann dies insbesondere in der Nacht schwieriger sein. Wenn man die Karte jeweils so dreht, dass die gewünschte Himmelsrichtung unten ist, tut man sich als weniger geübter Beobachter leichter.

Nun kommt es aber vor, dass man dort, wo man beobachtet, die Himmelsrichtungen nicht kennt. Auch da kann man sich helfen. Man muss nur das bekannte Sternbild Großer Wagen (oder Große Bärin), das bei uns immer über dem Horizont steht, kennen. Verlängert man die hintere Kante des Kastens etwa fünfmal nach oben, so findet man in einer sternarmen Gegend den Polarstern. Dieser zeigt uns die Himmelsachse und damit die Nordrichtung an.

Der Sommer ist vorbei und die astronomische Beobachtung kann wieder breiteren Raum einnehmen. Dazu kommt, dass sich wieder mehr Planeten, nämlich Venus und Merkur am Morgenhimmel sowie Jupiter und Saturn in der Nacht, zeigen, nur Mars macht sich rar. Dafür gibt es diesen Monat eine Mondfinsternis, zwar nur eine partielle, aber dafür eine, die wir vollständig verfolgen können, wenn das Wetter es erlaubt. Doch davon mehr weiter unten.

Bleiben wir zunächst bei den Planeten am Abendhimmel. Sobald sich der Himmel nach Sonnenuntergang verdunkelt, finden wir im Süden Saturn im Wassermann. Er verringert seine Helligkeit im Lauf des Monats von 0,7 auf 0,85 mag. Sein Untergang verfrüht sich dabei von 3:40 auf 1:45 MESZ. Um 20:10 geht am Monatsanfang Jupiter auf, der mit -2,7 mag beherrschende Planet des Nachthimmels. Er nähert sich seiner Oppositionsstellung, die er Anfang November erreicht. Er wechselt dabei vom Sternbild Jungfrau in die Waage, dabei ist er ein Planet der ganzen Nacht.

Venus durchwandert das Sternbild des Löwen und verändert ihre Aufgangszeit von 3:30 nur geringfügig. Am 10. Oktober ist eine sehenswerte Begegnung von Regulus zwischen Venus und der Mondsichel. Den ganzen Monat weist Venus noch eine eindrucksvolle Helligkeit um -4,5 mag auf. Merkur hat in den ersten Tagen noch eine kurze Morgensichtbarkeitsperiode. Am 1. Oktober geht der immerhin -1,1 mag helle Planet um 5:50 MESZ auf, eine Stunde später verliert er sich in der Morgendämmerung. Nach dem 5. ist schon ein Fernglas erforderlich, doch er nähert sich der aufgehenden Sonne immer mehr. Man sollte daher aus Sicherheitsgründen nur vor Sonnenaufgang beobachten.

Das Herbstviereck des Pegasus begleitet uns die ganze Zeit. Dabei wird der linke obere Stern des Vierecks (Sirrah) dem Sternbild Andromeda zugerechnet. Weniger bekannt ist, dass in diesem Sternbild mit 51 Pegasi der erste sonnenähnliche Stern mit einem Exoplaneten nachgewiesen wurde. 1995 entdeckten ihn Michel Mayor von der Universität Genf und sein Mitarbeiter Didier Queloz. 51 Pegasi bekam einen Namen: Helvetios (!) und der gefundene Exoplanet, der ungefähr die halbe Jupitermasse hat, wurde Dimidium (!) genannt. Helvetios liegt ungefähr auf der Verbindungslinie von alpha und beta Pegasi und ist unter günstigen Bedingungen mit 5,46 mag sogar mit bloßem Auge sichtbar. Er ist nur 50 LJ entfernt und hat eine um 10% höhere Masse als unsere Sonne. Im Sternbild Pegasus gibt es an Deep-Sky-Objekten außer einer Anzahl lichtschwacher Galaxien nur den Kugelsternhaufen M 15 mit immerhin 6,0 mag.

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Die partielle Mondfinsternis am 28. Oktober beginnt zwar um 20:01 MESZ, davon merkt man aber noch nichts, denn der Mond tritt erst in den Halbschatten der Erde ein und das ist nur mit Messgeräten feststellbar. Wir sehen erst, wenn um 21:35 der untere Rand des Mondes den Kernschatten berührt. Die maximale Verdunkelung ist um 22:14, dann sind 12,2% des Mondes verdunkelt, was nicht sehr viel ist. Der Mond sieht unten angeknabbert aus. Um 22:52 tritt der Mond aus dem Kernschatten und das Schauspiel ist für uns beendet, wenn wir nicht schon vorher die Geduld verloren haben. Haben wir ein Fernglas zur Hand, sollten wir es auch auf den nur etwa 9° entfernten Jupiter richten. Die nächste totale Mondfinsternis kommt erst zur Jahreswende 2028/2029.

An Sternschnuppenströmen sind in diesem Monat die Drakoniden zu erwähnen, die auf den Kometen Giacobini-Zinner zurückgeführt werden. Sie scheinen aus dem Kopf des Drachen zu kommen und ihr Maximum ist am 9. Oktober. Sie sind langsam und ihre Rate ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Dieses Jahr sind die Bedingungen vor 1 Uhr morgens günstig, da der Mond noch unter dem Horizont ist. Auch die Orioniden, die dem Halleyschen Kometen zugeschrieben werden, sind zu erwarten. Sie haben ihr Maximum am 22. Oktober und eine durchschnittliche Fallrate von 25 bis 30 Objekten. Hier ist die beste Beobachtungszeit von Mitternacht bis 5 Uhr morgens.

Gerardo Inhester


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Otto J. Pilzer, 2023-10-01