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- Astronomie im Berchtesgadener Land -

Der Sternenhimmel im April 2026

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Die Sternkarte ist für den 15. April um 23 Uhr MESZ erstellt, Gültigkeit und Verwendung der Sternkarte werden ausführlich im Text beschrieben. Bei M13 handelt es sich um den hellsten Kugelsternhaufen am nördlichen Himmel, der ein schönes Feldstecher-Objekt darstellt und unter sehr guten Bedingungen bei entsprechender Dunkeladaption auch mit bloßem Auge sichtbar ist. Bzgl. Jupiter vgl. den Text. Otto Pilzer
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In der Nacht vom 28. auf den 29. März wurden die Uhren wieder auf Sommerzeit umgestellt. Die Sternkarte zeigt den Himmel daher zu Anfang April für 24 Uhr, zur Mitte des Monats um 23 Uhr und Ende April um 22 Uhr. Sie bildet den gesamten sichtbaren Sternenhimmel ab und sollte so gehalten werden, dass die Himmelsrichtung, in die man gerade blickt, unten steht. Der Mittelpunkt der Abbildung stellt den Zenit, den Punkt genau über uns, dar. Auf der Sternkarte ist der Planet Jupiter, der seinen Platz in den Zwillingen im Laufe des Monats kaum verändert, eingezeichnet. Den Mond finden wir hingegen nicht, da er jeden Tag um etwa 12° nach Osten voranschreitet und am 15. unter dem Horizont ist (Neumond am 17. März). Weitere Planeten sind zu diesem Zeitpunkt nicht sichtbar.

Der Sonnenaufgang verfrüht sich im Laufe des Monats von 6:47 auf 5:52, der Untergang verspätet sich von 19:38 auf 20:20 (alles MESZ). Bereits am 2. April ist Vollmond und während der darauffolgenden Nacht wandert er nahe an Spika (dem hellsten Stern der Jungfrau) vorbei (Minimalabstand 1°38").

Am 4. April erreicht Merkur im Wassermann mit 27°49" seinen größten westlichen Winkelabstand zur Sonne in diesem Jahr. Mit einer Helligkeit von 0,3 mag ist er mit bloßem Auge nur kurz über dem Horizont sichtbar, um dann um 5:20 in der Morgendämmerung zu verschwinden. Seine Helligkeit nimmt zu, aber auch seine Nähe zur Sonne, sodass ab dem 15. April die Suche aussichtslos wird. Mars und Saturn, die sich ganz in der Nähe befinden, sind wegen ihrer Sonnennähe unbeobachtbar.

Venus (-3,9 mag) ist den ganzen Monat als Abendstern sichtbar. Sie wandert vom Widder zum Stier und begegnet am 23. dem Planeten Uranus (5,8 mag). Die Venusuntergänge verlagern sich im Laufe des Monats von 21:44 auf 23:12.

Jupiter (-2,0 mag) in den Zwillingen beherrscht die Nacht. Er erscheint bald nach Sonnenuntergang hoch im Süden (gegen Ende des Monats im Südwesten) und geht zunächst um 3:56, am Monatsende schon um 2:13 unter.

Auch interessant ist der Meteorschauer der Lyriden diesen April. Er erreicht sein Maximum am 22. und scheint aus Richtung des Sterns Vega in der Leier zu kommen. Da dieses Sternbild hoch am Himmel steht und der Mond schon vor 2 Uhr untergeht, sind die Bedingungen günstig. Es gibt aber deutlich weniger Sternschnuppen als bei den Perseiden oder Geminiden zu sehen. Die Lyriden sind schnelle Meteore mit Geschwindigkeiten um 49 km/s und stammen vom Kometen C/1861 G1 (Thatcher) mit einer Umlaufzeit von 415 Jahren.

Am Abendhimmel sehen wir im Süden noch die Sterne des Wintersechsecks - hoch oben die Zwillinge mit Pollux (1,16 mag), wo sich auch Jupiter aufhält. Schon im Westen sind der Fuhrmann mit Capella (0,08 mag) und darunter der Stier mit Aldebaran (0,87 mag). Zurück nach Süden kommt dann Orion mit Beteigeuze (0,42 mag) und weiter im Uhrzeigersinn der Große Hund mit Sirius (mit -1,44 mag der hellste Stern des Nachthimmels) sowie der Kleine Hund mit Procyon (0,40 mag). Quer durch das Wintersechseck zieht sich das Band der Milchstraße, das man in mondlosen Nächten deutlich wahrnehmen kann.

Westlich von Fuhrmann und Stier ist das Sternbild Perseus, das auch mitten im Band der Milchstraße liegt. Sein hellster Stern, Mirfak (1,8 mag), ist von zahlreichen schwachen Sternen umgeben, die den offenen Sternhaufen Melotte 20 bilden. Etwa 10° unterhalb liegt der Stern Algol, der nur 90 Lichtjahre entfernt ist. Er ist der bekannteste Bedeckungsveränderliche, ein Doppelstern, dessen Komponenten so nah beieinander sind, dass sie sich gegenseitig bedecken und dadurch den Lichtwechsel verursachen. Das geht nur, wenn die Ebene, in der sie sich bewegen, genau auf uns zeigt. Die beiden Komponenten umkreisen sich in 2,87 Tagen und haben einen mittleren Abstand von nur neun Millionen km.

Algol Aa1 ist ein heißer blau-weißer Hauptreihenstern der Spektralklasse B8 und hat die 3,17-fache Masse der Sonne und den 2,76-fachen Radius. Mit einer Oberflächentemperatur von 13.000 °C ist er 182-mal heller als die Sonne. Er rotiert auch deutlich schneller als diese und sein Alter wird auf 570 Millionen Jahre geschätzt. Algol Aa2 ist ein weniger lichtstarker rötlich-gelber Unterriese der Spektralklasse K2. Er besitzt nur 0,7 Sonnenmassen, hat sich aber auf 3,48 Sonnenradien aufgebläht und damit aus der Hauptreihe entfernt. Mit einer Oberflächentemperatur von 4.500 °C ist er 6,92-mal so hell wie die Sonne. Die Gesamthelligkeit von Algol Aa1 und Algol Aa2 schwankt zwischen 2,1 und 3,4 mag. Außerdem kreist um beide noch ein weiterer Begleiter, Algol Ab, im mittleren Abstand von 2,69 Astronomischen Einheiten (AE) mit einer Umlaufzeit von 680 Tagen. Er hat 1,76 Sonnenmassen, einen 1,73-fachen Sonnenradius, eine Oberflächentemperatur von 7.500 °C und ist zehnmal heller als die Sonne.

Nun fragt man sich: Warum diese komplizierte Bezeichnungsweise? Die Erklärung: Es gibt noch zwei Begleiter Algol B und Algol C, außerdem gehören noch fünf weitere schwache Sterne dazu. Ein sehr interessantes System, übrigens der erste bekannte Veränderliche schon zu Zeiten der Ägypter.

Wenn die Erwartungen erfüllt werden, dann könnte auch noch der Komet C/2025 R3 (PanSTARRS) Ende des Monats ein sehenswertes Schauspiel bieten und vielleicht mit bloßem Auge sichtbar sein.

Gerardo Inhester


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Otto J. Pilzer, 2026-04-01