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- Astronomie im Berchtesgadener Land -

Der Sternenhimmel im Juni 2026

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Die abgebildete Sternkarte ist für den 15. Juni um 23 Uhr Sommerzeit (MESZ) erstellt und bildet den Sternenhimmel entsprechend am Monatsanfang rund eine Stunde später sowie am Monatsende ca. eine Stunde früher ab. M31 stellt die Andromedagalaxie dar - die lichtstärkste Galaxie am nördlichen Himmel und die einzige ihrer Art, die bei uns mit bloßem Auge sichtbar ist; man muss allerdings warten, bis sie nach Mitternacht hoch genug über dem Horizont steht. Bzgl. Venus, Jupiter und M13 vgl. den Text. Otto Pilzer
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Am 21. Juni erreicht die Sonne die höchste Position ihrer Jahresbahn, was als astronomischer Sommeranfang definiert ist. Dagegen orientiert sich der meteorologische Sommerbeginn eher am mittleren Jahrestemperaturverlauf und wird deshalb generell auf den 1. Juni fixiert - ohne unmittelbaren Bezug zur Sonnenbahn. Im Chiemgau und Rupertiwinkel geht die Sonne am 21. um 5:08 auf und um 21:11 unter. Wir finden sie also gut 16 Stunden bzw. etwas mehr als zwei Drittel der Tageslänge über dem Horizont.

Wenn man bedenkt, dass es sich im Winter genau umgekehrt verhält, kann man die Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter schon verstehen - ja man wundert sich vielleicht sogar, dass sie nicht größer ausfallen. Und in der Tat, die Meere um Mitteleuropa (Atlantik, Nordsee, Mittelmeer) dämpfen die Temperaturschwankungen beträchtlich. Gebiete mit großer Landmasse (z.B. Russland) sind weit extremeren Werten ausgesetzt.

Die Kehrseite der langen Hochsommertage sind die extrem kurzen Zeiten, zu denen es für Sterngucker ausreichend dunkel wird. Astronomische Dunkelheit wird im Juni nur für etwa ein bis zwei Stunden erreicht, beim Rest handelt es sich um mehr oder weniger ausgeprägte Dämmerung. Da ist es gut, dass es Planeten gibt, denn ihre größere Helligkeit ermöglicht auch schon Beobachtungen während der Dämmerung.

Beginnen wir mit Merkur, der in den ersten beiden Wochen am Abendhimmel tief im Nordwesten aufgefunden werden kann. Der sich nur selten zeigende Götterbote geht kurz vor 23 Uhr MESZ unter, so dass eine Suche ab 22:15 Sinn macht. In der ersten Woche wird man ihn sogar mit freiem Auge sehen, da er recht hell erscheint (-0,5 mag zu Monatsanfang). Im Verlauf der zweiten Woche kann ein Fernglas nötig werden, da seine Helligkeit deutlich abnimmt (0,3 mag am 14.). Im Teleskop betrachtet nimmt sein Durchmesser (ca. 7") langsam zu und vor allem seine Sichelgestalt wird ausgeprägter.

Wie schon im Vormonat dominiert Venus mit -4 mag weiterhin den Abendhimmel. In den ersten beiden Juniwochen eilt sie dem Merkur um eine Dreiviertelstunde hinterher (Untergang 23:43), d.h. man kann die helle Venus zum Auffinden des lichtschwächeren Merkur nutzen, der sich eine gute Hand breit rechts von ihr und näher am Horizont befindet. Zum Monatsende verfrüht sich ihr Untergang auf 23:25 Uhr. Am 17. bekommt sie Besuch von der knapp drei Tage alten Mondsichel.

Und noch einen Planeten gibt es am Abendhimmel zu bestaunen, den Gasriesen Jupiter. Er war der Star der letzten Monate, zieht sich Ende Juni aber zurück und wird im Juli und August unsichtbar, da er zu nahe bei der Sonne steht. Wer im Teleskop noch mal seine vier hellen Monde und die Wolkenstrukturen seiner Oberfläche sehen will, hat also eine letzte Gelegenheit dazu. Während der knapp -2 mag helle Gasriese zu Monatsbeginn bis Mitternacht über dem Horizont verweilt, verschwindet er gegen Monatsende bereits um 22:30 in der Dämmerung. Am 9. wandert die helle Venus in 1,6° Abstand nördlich an ihm vorbei.

Am Morgenhimmel zeigt sich dann Saturn in fast exakter Ostrichtung. Sein Aufgang verfrüht sich von 3 Uhr zu Monatsbeginn auf 1:10 zum Monatsende um beinahe zwei Stunden - er wird also zum Planeten der zweiten Nachthälfte. Der 0,8 mag helle Ringplanet zeigt sich nun wieder von seiner bekannten Seite, dem typischen Blick in die Ringebene hinein (Öffnungswinkel 8,5°). Noch zu Jahresanfang blickten wir fast genau auf die Ringkante (Öffnung kleiner 1°), so dass man den Ring nur als ganz dünne Linie wahrnehmen konnte. Mars und Uranus bleiben im Juni unsichtbar.

Unsere Sternkarte wurde für 23 Uhr entworfen, zu dieser Zeit ist der Westhorizont im Juni noch aufgehellt und die Dämmerung nicht ganz zu Ende. Der zenitnahe Bärenhüter (hellster Stern Arcturus) und das Halbrund der Nördlichen Krone (hellster Stern Gemma) sind aber schon zu sehen. In knapp einer Stunde gegen Mitternacht wird es richtig dunkel und das Sternbild des Herkules mit dem bekannten Kugelsternhaufen M 13 ist auf den Zenit zugewandert. Bereits im Feldstecher sieht man M 13 als kleinen 5,7 mag hellen Nebelfleck, aber erst im Fernrohr wird er zu einer Offenbarung. Mit steigender Öffnung kann man immer mehr Einzelsterne dieses beeindruckenden Sternenballs auflösen.

Es gibt aber noch einen zweiten fast gleich hellen Kugelsternhaufen zu sehen, nämlich M 5 im Sternbild der Schlange. Er ist auf unserer Sternkarte zwar nicht eingezeichnet und würde sich genau auf dem Südmeridian im unteren Bereich der Schlange (ca. 10° über der Waage) befinden. Mit dem Feldstecher kann man ihn sicher finden und im Fernrohr bei hoher Vergrößerung steht er dem bekannten M 13 kaum nach.

Bei unserem Blick auf M 5 und die um 23 Uhr genau im Süden kulminierende Waage fallen Ihnen vielleicht einige östlich und noch etwas näher am Horizont blinkende Sterne auf. Es handelt sich dabei um das bekannte Sternbild Skorpion, von dem wir in Mitteleuropa nur die nördlichen Bezirke sehen können. Eine Stunde später um Mitternacht erreicht es seine größte Höhe. Bei dem hellen rötlichfarbenen Hauptstern handelt es sich um Antares, einen Roten Riesen am Ende seines Sternenlebens. Die vier schwächeren zur Waage hinweisenden Sterne bilden die Scheren des Krabbeltieres. Viel Kurzweile beim Sterngucken.

Bernhard Kindermann


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Otto J. Pilzer, 2026-06-01