- Astronomie im Berchtesgadener Land - Der Sternenhimmel im Oktober 2026![]() Die abgebildete Sternkarte ist für den 15. Oktober um 23 Uhr Sommerzeit (MESZ) erstellt und bildet den Sternenhimmel entsprechend am Monatsanfang rund eine Stunde später sowie am Monatsende ca. eine Stunde früher (nach dem Ende der Sommerzeit entspricht das dann 21 Uhr MEZ) ab. Die Andromedagalaxie M31, die hellste Galaxie am nördlichen Himmel, kann als einzige ihrer Art bei uns mit bloßem Auge gesehen werden. Bei M13 handelt es sich um den lichtstärksten Kugelsternhaufen am Nordhimmel, der - solange er hoch genug über dem Horizont steht - ein schönes Feldstecher-Objekt ist. Bzgl. Saturn vgl. den Text. Otto Pilzer [Zum Vergrößern bitte Bild anklicken] Im Laufe des Monats gewinnen nun die Nachtstunden die Oberhand. Sogar unter Einbeziehung der astronomischen Dämmerung (Sonne mind. 16° unter dem Horizont) kommt es bis Ende Oktober beinahe zu einem Patt zwischen den Tag- und Nachtstunden. Darüber hinaus endet am 25. die Sommerzeit, so dass der Wegfall dieser künstlichen Zeitverschiebung die Diskrepanz zwischen Sternenhimmel und Ortszeit wieder behebt. So gesehen herrschen gute Voraussetzungen für Sterngucker, sie können wieder zeitiger ihrem Hobby frönen. Da trifft es sich gut, dass gleich am 4. Oktober Saturn in Opposition gelangt. Bereits fünf Minuten nachdem die Sonne um 18:42 untergegangen ist, hebt sich der Ringplanet fast exakt im Osten über die Horizontlinie. Er befindet sich im in unseren Breiten eher unscheinbaren Walfisch (Cetus) und sticht dort mit seiner Helligkeit von 0,4 mag sofort ins Auge. Zur Opposition wird die Entfernung zur Erde minimal und beträgt dann "nur" 1.260 Mio. Kilometer. Da man sich unter dieser Zahl vielleicht wenig vorstellen kann, hier noch ein Vergleich: Das entspricht 3.300x der Entfernung zum Mond oder einer Lichtlaufzeit von 70 Minuten. Da Saturn nun frontal von der Sonne beleuchtet wird, fällt bei genauem Hinsehen sofort auf, dass sein Äquatordurchmesser (19,7") deutlich größer ausfällt wie sein Poldurchmesser (17,6"). Ursächlich für diesen Unterschied von ca. 10% ist die schnelle Rotation um die eigene Achse in nur gut zehn Stunden. Er dreht sich also mehr als doppelt so schnell wie die Erde, obwohl er viel größer ist als unser Heimatplanet (19-facher Durchmesser). Die daraus resultierenden Fliehkräfte führen zu dieser ellipsoiden Abplattung. Saturns Highlight ist natürlich sein Ring, der mit einem Durchmesser von 45" über das Planetenscheibchen weit hinausragt. Unser Blick fällt gegenwärtig auf die Südseite des Ringsystems und der Öffnungswinkel von mittlerweile 7,5° ermöglicht nun auch wieder, im Teleskop die Cassini-Teilung gut erkennen zu können. Zu Jahresanfang zeigte sich der Ring noch von der Seite und es war uns verwehrt, diese im Jahr 1675 vom italienisch-französischen Astronomen Cassini entdeckte und etwa 3.000 km breite Lücke im Ring zu sehen. Zu guter letzt finden wir bei Saturn auch noch Monde, die ihn umrunden. Sie sind aber deutlich lichtschwächer als die Galileieschen Gestirne des Jupiters. Der hellste von ihnen - Titan - ist 8,2 mag hell und kann noch im Fernglas gesehen werden. Die nächsthelleren Begleiter tragen die Namen Rhea, Tethys und Dione, bleiben mit Helligkeiten um die 10 mag aber dem Fernrohr vorbehalten. Ihre Umlaufzeiten liegen im Bereich von 2 bis 16 Tagen, so dass sich ihre Positionen - ähnlich wie bei Jupiter - recht schnell ändern. Zur Identifikation kann ein Jahrbuch oder das Internet dienen. Die inneren Planeten Merkur und Venus bleiben in diesem Monat unsichtbar, da sie zu nahe bei der Sonne stehen. In der zweiten Nachthälfte können wir aber noch einen Blick auf die äußeren Planeten Mars und Jupiter werfen. Mars finden wir im Tierkreissternbild Krebs und er geht zur Monatsmitte um 0:50 Uhr auf. Im Laufe der ersten Monatshälfte streift er am lockeren Sternhaufen Praesepe (M 44) vorbei. Eine gute Stunde später gesellt sich auch Jupiter hinzu, der sich unweit östlich im Nachbarsternbild Löwe nahe bei Regulus aufhält. Wegen seiner großen Helligkeit von -2 mag besteht keine Gefahr, ihn zu übersehen. Um den 6. schaut die abnehmende Mondsichel vorbei, Neumond ist dann am 10. Oktober. Am Sternenhimmel hat der Herbst Einzug gehalten. Das Pegasus-Quadrat (Herbstviereck) kulminiert gerade im Süden und Andromeda folgt ihm in Kürze. Trotzdem können wir auch noch einen Blick auf die Sommermilchstraße werfen, die im Westen in den Horizont eintaucht. Das Sternbild des Adlers kommt dem Horizont schon nahe, der Schwan schwingt seine Flügel aber noch recht hoch durch die Lüfte, so dass zusammen mit der Leier das Sommerdreieck momentan noch komplett ist. Ganz tief im Osten zeigen sich aber auch schon die Vorboten des Winterhimmels. Der Stier und der Fuhrmann sind bereits aufgegangen und in der zweiten Nachthälfte gesellen sich dann die noch fehlenden Wintersternbilder hinzu. Im Zenit finden wir die in die Milchstraße eingebetteten zirkumpolaren Sternbilder Kepheus, Eidechse und Kassiopeia. Auch für Sternschnuppen ist in diesem Monat gesorgt. Für die Nacht vom 8. auf den 9. ist das Maximum der Delta-Draconiden vorhergesagt. Einen Tag vor Neumond stört dieser die Beobachtung überhaupt nicht und so kann man hoffen, einige dieser mit 21 km/s sehr langsamen Meteore über den Himmel ziehen zu sehen. Eine Prognose der Fallraten ist schwierig, da sie in den letzten Jahren sehr variabel waren (von nur wenigen bis zu 120 Sternschnuppen über mehrere Stunden hinweg). Die bekannten Orioniden hätten am 22. ihr Maximum, wobei der nahe Vollmond (26. Okt.) erheblich stört. Dieser Meteorstrom ist aber während des ganzen Monats aktiv, so dass in der zweiten Nachthälfte immer wieder mal einzelne Exemplare dieser mit 65 km/s recht schnellen Sternschnuppen den Beobachter erfreuen. Bernhard Kindermann
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Otto J. Pilzer, 2026-10-01 |