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- Astronomie im Berchtesgadener Land -

Der Sternenhimmel im Juni 2007

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Der Juni macht es den Himmelsbeobachtern nicht leicht. Die längsten Tage und die kürzesten Nächte lassen nicht viel Zeit für den Sternenhimmel. Am 21. Juni um 20:06 Uhr erreicht die Sonne den Gipfel ihrer Jahresbahn. Doch trotz der kurzen Nächte gibt es einiges Interessantes zu sehen.

Von den insgesamt 8 Planeten unseres Sonnensystems können wir im Juni 4 Planeten am Abendhimmel betrachten (der Mars erscheint erst am Morgenhimmel).

Einer davon ist der Merkur. Merkur ist der erste und somit sonnennächste Planet in unserem Sonnensystem. Er ist von der Sonne je nach Bahnposition zwischen ca. 46 und 70 Millionen Kilometer entfernt, sein minimaler Abstand zur Erde beträgt 80 Millionen Kilometer. Durch seine Nähe zum Horizont ist er nur kurze Zeit im Nord-Westen zu sehen. Erst gegen 22 Uhr ist es dunkel genug, um ihn zu suchen. Sein Untergang verfrüht sich im Laufe des Monats nur unwesentlich, bei uns von 22:50 Uhr am 1.6. auf 22:25 Uhr am 11.6. - später im Monat ist er kaum mehr zu beobachten. Allerdings verschwindet er schon jeweils 20 Minuten eher im Horizontdunst. Da er sich der Erde nähert, verändert sich sein scheinbarer Durchmesser in diesen 10 Tagen von 8,06 auf 10,0 Bogensekunden, seine Helligkeit nimmt aufgrund der schmaler werdenden Sichel hingegen von 0,70 auf 1,47 mag ab. Auf der Sternenkarte können wir ihn leider nicht mehr entdecken, da er sich zur Monatsmitte um 23 Uhr bereits unterhalb der Horziontlinie befindet.

Am süd-östlichen Horizont können wir den Riesenplaneten Jupiter finden. Neben der Venus und dem Mond ist Jupiter das dritthellste Objekt am Himmel. Trotz seiner enormen Entfernung zur Erde können wir ihn auch ohne optische Hilfsmittel gut erkennen und durch seine Helligkeit von anderen Himmelsobjekten unterscheiden. Mit einem Fernglas oder kleinem Teleskop kann man mit etwas Glück seine 4 größten Monde finden. In der Nacht von 5. auf 6. Juni steht der Planet in Opposition zur Sonne, was die günstigste Beobachtungsposition für uns bedeutet. Er hat die geringste Entfernung zur Erde und die größte Helligkeit. Sein Abstand zur Erde beträgt trotzdem noch fast 588 Millionen Kilometer. Im Vergleich zu seiner größten Entfernung von ca. 966 Millionen Kilometer ist es aber doch um einiges weniger. Am Monatsanfang ist Jupiter fast die ganze Nacht zu sehen. Er geht gegen 21 Uhr auf und bleibt bis halb 5 in der Früh. Zum Monatsende ist er nur noch bis ca. 4 Uhr zu sehen.

Der Ringplanet Saturn ist im Westen zwischen den Sternbildern Löwe und Krebs zu finden. Seine Sichtbarkeit beschränkt sich fast ausschließlich auf die erste Nachthälfte. Am Monatsanfang ist er noch bis kurz nach halb 2 zu sehen, doch zum Monatsende hin verabschiedet er sich schon um 22:45 Uhr. Seine Entfernung zur Erde schwankt je nach Position zwischen 1192 und 1658 Millionen Kilometer.

Etwas nördlich und deutlich heller finden wir unsere Liebesgöttin, die Venus. Neben dem Mond ist sie das hellste Objekt am Nachthimmel. Die geringste Entfernung zur Erde beträgt immerhin noch knapp 39 Millionen Kilometer. Mit einer Geschwindigkeit von 120 km pro Stunde wäre man ca. 13.500 Tage, bzw. 37 Jahre unterwegs. Am 18. Juni bekommt die Venus Besuch vom Mond. Die "Venusbedeckung" durch den Mond findet zwar am späten Nachmittag zwischen 16 und 18 Uhr statt, kann aber sogar mit einem besseren Fernglas beobachtet werden. Sonst ist die Venus nur in der ersten Nachthälfte zu sehen. Die Sichtbarkeit verkürzt sich im Laufe des Monats. Anfangs ist sie noch bis 00:10 Uhr zu sehen. Zum Monatsende nur noch bis 23:10 Uhr.

Zu jeder Jahreszeit gibt es entsprechende Jahreszeitensternbilder: das Frühlingsdreieck, das Sommerdreieck, das Herbstviereck und das Wintersechseck. Im Juni können wir zwei dieser Sternbilder sehen: das Frühlings- und das Sommerdreieck. Das Frühlingsdreieck finden wir fast in der Mitte der unteren Hälfte der Karte. Es setzt sich aus Regulus im Sternbild Löwe, Arktur im Sternbild des Bootes und Spica in der Jungfrau zusammen. Zum Sommeranfang ist das Sommerdreieck noch etwas am Rand (im Nord-Osten) versteckt. Die drei Eckpunkte sind: Deneb aus dem Sternbild Schwan, Vega vom Sternbild Leier und Atair aus dem Adler. Im Laufe des Sommers bewegt sich das Sommerdreieck immer weiter nach Westen.

Das wohl bekannteste Sternbild, der große Wagen, ist auf der Karte fast in der Mitte zu finden. Verlängert man die hintere Achse des Wagens 5 mal, trifft man genau auf den Polarstern, der als letzter Deichselstern zum kleinen Wagen gehört. Ein weiteres markantes Sternbild, die Kassiopeia oder auch "Himmels-W" genannt, befindet sich ganz im Norden.

Wer noch etwas Glück benötigt, sollte seine Blicke immer wieder mal nach oben richten. Den ganzen Monat über sorgen verschiedene Sternschnuppenströme für schöne Leuchtspuren am Himmel. Gleich zum Monatsanfang erreichen die Tau-Herkuliden ihr Maximum. Am 8. und 9. Juni sollte man nach den Libriden Ausschau halten. Der Ausgangspunkt befindet sich im Sternbild Waage im Süd-Osten. Nur zwei Tage später werden die Juni-Lyriden aktiv. Sie entspringen scheinbar aus der Leier, wobei ihr Ursprungskomet noch nicht bekannt ist. Ab dem 25. Juni können wir vermehrt mit den Corviden rechnen. Ihr Ursprung liegt im Sternbild Rabe im Süd-Westen. Am Monatsende können wir noch ein paar Juni-Dracoiden erspähen. Sie stammen aus dem Sternbild Drachen, zwischen dem großen und kleinen Wagen.

Egal, ob man auf der Suche nach Glück ist oder die Schönheit des Nachthimmels genießen will: der Blick in den Sternenhimmel lohnt sich auf jeden Fall.

Florian Kronawitter


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Otto J. Pilzer, 2007-06-01