LOGO

- Astronomie im Berchtesgadener Land -

Der Sternenhimmel im September 2009

[0909_sternenhimmel_kk.jpg]
Die abgebildete Sternkarte ist für den 15. September um 23 Uhr Sommerzeit (MESZ) erstellt und zeigt den Sternenhimmel entsprechend am Monatsanfang rund eine Stunde später sowie am Monatsende ca. eine Stunde früher. Bei M13 handelt es sich um den hellsten Kugelsternhaufen am nördlichen Sternenhimmel, er ist ein schönes Feldstecher-Objekt. Otto Pilzer
[Zum Vergrößern bitte Bild anklicken]

Nur wenig hat sich der abendliche Sternhimmel gegenüber dem Vormonat verändert. Das Sommerdreieck aus Deneb im Schwan, Atair im Adler und Vega in der Leier bestimmt noch das Firmament, allerdings ist es bereits nach Westen verschoben. Deutlich verbessert haben sich die Beobachtungsbedingungen. Die Sonne geht Anfang des Monats in unseren Breiten bereits um 19:50 Uhr unter, somit bleibt wieder eine längere Zeit für den Sternfreund übrig.

Doch bevor wir die sich bietenden Möglichkeiten näher betrachten, will ich Ihnen ein wichtiges Hilfsmittel, vor allem für den angehenden Hobbyastronomen, empfehlen. Schneiden Sie die abgedruckte Sternkarte aus und kleben Sie sie auf einen Karton. Schon haben Sie eine Sternkarte, die Sie nachts einsetzen können. Nun brauchen Sie noch eine Lichtquelle, damit Sie die Karte auch sehen können. Hier sollten Sie möglichst rotes Licht verwenden (umgebaute Taschenlampe mit roter Folie vor dem Birnchen, rote LED-Lampe etc.), damit das Auge nachts nicht geblendet wird und die Nachtadaption des Auges nicht verloren geht. Nun müssen Sie noch wissen, wo im Gelände Westen, Süden, Osten sind und schon geht's los. Wenn Sie, sagen wir, im Süden Sterne identifizieren wollen, so halten Sie die ausgeschnittene Himmelsscheibe schräg so vor Ihr Auge, dass sich die Südmarke "S" der Scheibe unten befindet. Die eingezeichneten Sterne bzw. Sternbilder auf der Scheibe von der Süd-Marke bis zum Mittelpunkt der Scheibe sollten Sie nun mit den beobachteten Sternen am Himmel vom Südhorizont bis zum Scheitelpunkt über Ihnen vergleichen. Ähnlich gehen Sie vor, wenn Sie den Himmelsausschnitt nach Westen, Osten oder Norden erkunden wollen; hierzu müssen Sie die Markierungen W, O oder N auf der Sternscheibe nach unten drehen. Ähnlich, aber eleganter und universeller geht es mit einer drehbaren Sternkarte, die Sie in einem Fachbuchladen oder auch auf unserer Sternwarte für wenig Geld kaufen können. Sie brauchen nur auf den beweglichen Kreisen Datum und Uhrzeit einstellen und schon haben Sie den aktuellen Sternenhimmel. So eine drehbare Sternkarte ist das ganze Jahr über einsetzbar.

Nun zurück zu den Besonderheiten des Monats September. Da das Streulicht des Mondes im ersten Drittel des Monats dafür sorgt, dass schwache Himmelsobjekte wie Nebel oder Sternhaufen nicht so gut zu erkennen sind, sollten Sie diese Zeit nutzen, um den Mond selbst oder Planeten zu beobachten. Der Jupiter steht immer noch hell am Südwesthimmel, die Opposition zur Sonne hat er gerade hinter sich gebracht. Seine Scheibe misst 48 Bogensekunden, genug, um den Grossen Roten Fleck und die von Stürmen auf dem Planeten herrührenden Streifen in einem größeren Teleskop zu erkennen. Das schöne Spiel seiner vier Galileischen Monde ist immer eine Beobachtungsnacht wert und ist schon mit einem guten Fernglas möglich. Merkur ist unsichtbar, Venus nur am Morgenhimmel zu sehen. Mars, auch der Rote Planet genannt, geht zwar bereits vor Mitternacht auf, hoch genug über dem Horizont steht er aber erst in der zweiten Nachthälfte. Saturn steht am 17. des Monats in Konjunktion zur Sonne und ist den ganzen Monat unsichtbar. Der 5,7 mag helle Uranus geht eineinviertel Stunden später als der Jupiter auf und bezieht am 17. seine Oppositionsstellung in den Fischen. Neptuns Opposition fand im vergangenen Monat statt. Der 7,8 mag helle, im Fernrohr bläulich erscheinende Gasplanet hat sich aus der (scheinbaren!) Nähe von Jupiter entfernt, befindet sich aber immer noch im Sternbild Steinbock. Uranus und Neptun sind mit bloßem Auge nicht zu beobachten.

Wenn auch das Sommerdreieck den Westhimmel dominiert, so kündigt das im Osten hoch am Himmel stehende Viereck des Pegasus den Herbst an. Das Quadrat, auch Herbstviereck genannt, wird gebildet aus den Sternen Algenib, Scheat, Markab und Sirrah, wobei Sirrah nicht mehr zu Pegasus, sondern zum Sternbild Andromeda gehört. Der fast 60 Grad über dem Horizont stehende Andromedanebel M31 (genauer: Andromeda-Galaxie) ist die hellste Galaxie am Nordhimmel und deutlich als helles Scheibchen im Fernrohr oder Fernglas zu erkennen. Die berühmten Fotos dieser Galaxie zeigen die Struktur seiner Spiralarme mit den bläulich erscheinenden Streifen, die von ständig neu entstehenden Sternen künden. Die Andromeda-Galaxie ist die größte Galaxie der so genannten Lokalen Gruppe. Sie übertrifft mit einem sichtbaren Durchmesser von 150 Millionen Lichtjahren unsere Milchstrasse an Größe deutlich.

In den Sommermonaten sollte man besonders die Sternbilder des südlichen Himmels im Auge behalten. Neben dem oft erwähnten Sternbild Schütze verdienen die weiteren Sternbilder Steinbock, Südlicher Fisch, Mikroskop und Wassermann Beachtung. Gerade der Hauptstern des Südlichen Fisches, Fomalhaut, ist in jüngster Zeit ins Zentrum des Interesses gerückt. Fomalhaut gehört zu den 18 hellsten Sternen des Himmels. Seine Oberflächentemperatur ist mit 8500 Grad Celsius heißer als unsere Sonne (5800 Grad). Sein Sternalter schätzt man auf 100 bis 300 Millionen Jahre. In einer Milliarde Jahre wird Fomalhaut in einer riesigen Explosion sein Leben aushauchen, während unsere Sonne noch weitere 5,6 Milliarden Jahre existiert, ehe sie sich zu einem Roten Riesen aufbläht. Fomalhaut, 25 Lichtjahre von uns entfernt, gehört zu jenen Sternen (deren Zahl mittlerweile stark angewachsen ist), bei welchen man Planeten nachgewiesen hat. In einer Entfernung von 115 Astronomischen Einheiten (1 AE = 150 Millionen km, Entfernung der Erde von der Sonne) umkreist ein Gasplanet von nicht mehr als 3-facher Masse des Jupiter den Zentralstern. Mit dem Hubble Space Telescope der NASA und einer speziellen Messvorrichtung und Kamera konnte die Staubscheibe um Fomalhaut mit einer darin enthaltenen punktförmigen Lichtquelle, Fomalhaut b, direkt abgebildet werden. Welche Meisterleistung! Aber dazu mehr in einem speziellen Artikel über Exoplaneten in einer der nächsten Veröffentlichungen.

Sternschnuppen in den Sommermonaten zu beobachten, ist unterhaltsam. Manchmal erlebt man überraschend viele, ein andermal sind die Ergebnisse eher mäßig. Auf jeden Fall wird es Spaß machen, wenn man zu Mehreren beobachtet und zählt. Versuchen Sie es einmal!

Bis zum 8. September kann man noch die Alpha-Aurigiden sehen (Radiant: Fuhrmann; Maximum am 1. Sept., schnell: 66 km/s; schwach: 7 Sternschnuppen je Stunde). Vom 5. bis 15.9. erscheinen die September-Perseiden (Ursprung: Perseus; Maximum am 9. Sept. früh morgens; schnell: 64 km/s; schwach: 5 Sternschnuppen pro Stunde).

Walter Conrad


Zum Monatsthema September 2009

Zu den anderen Sternenhimmel-Artikeln


[AAL] Zurück zur Home Page der AAL
Otto J. Pilzer, 2009-09-01