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- Astronomie im Berchtesgadener Land -

Der Sternenhimmel im August 2011

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Die abgebildete Sternkarte ist für den 15. August um 23 Uhr Sommerzeit (MESZ) erstellt und bildet den Sternenhimmel entsprechend am Monatsanfang rund eine Stunde später sowie am Monatsende ca. eine Stunde früher ab. Bei M13 handelt es sich um den hellsten Kugelsternhaufen am nördlichen Himmel, der ein schönes Feldstecher-Objekt darstellt und unter guten Bedingungen auch mit bloßem Auge sichtbar ist (wichtig dabei: gute Adaption an die Dunkelheit). Die Andromedagalaxie M31, die hellste Galaxie am nördlichen Himmel, kann als einzige ihrer Art bei uns mit bloßem Auge gesehen werden. Bzgl. Saturn, Uranus, Neptun, M8, M22 und M55 vgl. den Text. Otto Pilzer
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Im August wird es für Beobachter wieder interessanter: Die Nächte werden spürbar länger, so dass man nicht erst bis Mitternacht warten muss, um lichtschwache Objekte beobachten zu können und außerdem ist der August bekanntermaßen der Monat der Sternschnuppen.

Zu den Objekten, die man auch schon in der Dämmerung gut beobachten kann, gehören die Planeten. Saturn verabschiedet sich vom Abendhimmel. Zu Beginn des Monats kann man den 0,9 mag hellen Planeten noch gegen Ende der Dämmerung tief im Westen finden. Da geht er dann kurz nach 23 Uhr unter. Die Untergangszeiten verfrühen sich immer mehr und nach der Monatsmitte ist er nur noch mit dem Feldstecher zu finden.

Jupiter dagegen entwickelt sich zum Objekt der ganzen Nacht. Zu Beginn des Monats geht er noch um Mitternacht auf, während er Ende August schon kurz nach 22 Uhr erscheint. Da er sich der Opposition zur Sonne nähert, steigt seine Helligkeit auf -2,7 mag an. In der Morgendämmerung verschwindet er hoch im Süden. Seine günstigen Beobachtungsmöglichkeiten bieten die Gelegenheit, sich auch mit Details zu beschäftigen. Für die vier galileischen Monde reicht schon ein guter Feldstecher. Da die Rotationsebene des Jupiter genau auf die Erde zeigt, sieht man die Monde immer in einer Linie, was ihre Unterscheidung von nahe liegenden Sternen erleichtert. Da ihre Umlaufzeiten relativ kurz sind (Io 1,8 Tage, Europa 3,5 Tage, Ganymed 7,2 Tage, Kallisto 16,7 Tage), kann man die Veränderung ihrer Positionen manchmal sogar schon innerhalb weniger Stunden beobachten. Im Fernrohr sieht man zudem die Wolkenbänder seiner Atmosphäre. Auch der große rote Fleck, ein gigantischer Wolkenwirbel von mehrfacher Erdgröße mit Windgeschwindigkeiten bis zu 400 Stundenkilometer, ist im Rhythmus der Jupiterrotation von 9 Stunden und 50 Minuten immer wieder für einige Stunden zu sehen. Durch die im Vergleich zur Erde mehr als doppelt so schnelle Rotation erscheint der Riesenplanet im Fernrohr deutlich abgeplattet.

Auch Uranus im Sternbild der Fische ist ein Objekt der ganzen Nacht. Mit seiner geringen Helligkeit, die um 6 mag liegt, ist er aber ein Objekt für den guten Feldstecher oder das Fernrohr. Mars mit 1,4 mag in den Zwillingen ist ein Planet der frühen Morgenstunden. Sein Aufgang verfrüht sich im Lauf des Monats von 3 Uhr auf 2 Uhr und auch er verschwindet dann in der Morgendämmerung, die im Lauf des Monats allerdings immer später einsetzt.

Die übrigen der fünf hellen Planeten bleiben in diesem Monat leider unbeobachtbar, weil sie zu nahe bei der Sonne stehen. Neptun dagegen ist im Wassermann mit 7,8 mag nur im besseren Fernrohr zu erkennen.

Dafür können wir uns am dem jährlich wiederkehrenden Sternschnuppenstrom der Perseiden erfreuen, im Volksmund auch Laurentiustränen genannt. Das Maximum ist in der Nacht vom 11. auf den 12. August zu erwarten, aber auch einige Tage um diesen Termin herum wird man immer wieder einzelne Meteore sichten können. Der nahe Vollmond am 13. August stört zwar bei der Beobachtung, jedoch steht er am 12. in der Frühe noch so weit südwestlich, dass eine Beobachtung sicher erfolgversprechend ist. Da der Radiant im Sternbild Perseus im Laufe der Nacht immer höher steigt, dürfte kurz vor Beginn der Dämmerung die Meteorrate am höchsten sein. Abhängig von den sonstigen Bedingungen (atmosphärische Durchsicht, störendes Umgebungslicht) kann auf 5 bis 20 Meteore pro Stunde gehofft werden.

Die Sommermilchstraße

Auch die Beobachtung des Sternenhimmels muss im August nicht mehr zu kurz kommen, ist es zur Monatsmitte doch bereits ab 22 Uhr dunkel genug. Dies ist Gelegenheit die Milchstraße zu beobachten, die sich von Norden nach Süden quer über das ganze Firmament als diffuses Band erstreckt. Gerade das Zentrum der Milchstraße, das sich in Richtung des Sternbilds Schütze befindet, ist nur im Sommer ausreichend über dem Horizont. In diesem Bereich befinden sich auch viele nebelhafte Objekte, die teilweise schon mit dem Feldstecher aufzufinden sind. Es seien hier nur die Kugelsternhaufen M 22 (5,9 mag) und M 55 (4,4 mag) sowie der Lagunennebel M 8 (5,5 mag) genannt.

Wir sind Teil der Milchstraße, einer diskusförmigen Spiralgalaxie, befinden uns jedoch nicht in deren Zentrum, sondern mehr im äußeren Drittel. Im Zentrum stehen die Sterne sehr viel dichter als in den Spiralarmen. So wäre zu erwarten, dass sie in dieser Richtung viel heller ist, wie in den übrigen Richtungen. Bei der Beobachtung stellt man aber kaum einen Unterschied fest. Die Ursache dafür ist, dass in Richtung auf das Zentrum auch Gas- und vor allem Staubmassen liegen, die das Licht abschwächen. Nur mit Radioteleskopen lassen sich diese Staubmassen durchdringen und mit ihnen ist man inzwischen bei der Untersuchung des Zentrums weit vorangeschritten.

Vom Sternbild Schütze geht es hinauf über den Adler zur Leier. Letztere bilden mit dem Schwan, der fast im Zenit steht, das Sommerdreieck. Es wird durch Atair im Adler, Vega in der Leier und Deneb im Schwan gebildet. Verweilt man bei der Leier, so sollte man einen Blick auf Sheliak (ß Lyrae) werfen. Es ist ein interessantes System, das schon im Feldstecher einiges preisgibt. Doch der Reihe nach: ß Lyrae ist Namensgeber für eine ganze Klasse von Bedeckungsveränderlichen. Bei einem bedeckungsveränderlichen Stern handelt es sich um ein Doppelsternsystem. Die Bahn dieser zwei Sterne liegt hierbei so im Weltraum, dass sich die beiden Sterne von der Erde aus gesehen periodisch zeitweilig verdecken. Dadurch kommt es zu beobachtbaren Helligkeitsschwankungen. Sheliak, in einer Entfernung von 900 Lichtjahren, schwankt in der Helligkeit mit einer Periode von 12,9 Tagen zwischen 3,4 und 4,6 mag. Dabei sind die Hauptkomponenten so nah beieinander, dass sie sich durch ihre Gravitation gegenseitig verformen und durch den Massenaustausch eine Akkretionsscheibe bilden. Sie sind deswegen im Teleskop nicht zu trennen, aber spektroskopisch nachweisbar. Es gibt noch weitere Komponenten, von denen B und F gesichert sind. B liegt in 45,7" Entfernung und ist mit 7,1 mag bereits mit dem Fernglas zu finden!

Vom Schwan senkt sich die Milchstraße entlang der Konstellationen Kepheus, Kassiopeia und Perseus gegen Norden, bis sie im Fuhrmann unter den Horizont sinkt. Will man dieses Schauspiel genießen, so ist eine Liege an einem dunklen Standort in einer klaren und trotzdem noch lauen Augustnacht die beste Voraussetzung. Das wünschen wir uns für den August.

Gerardo Inhester


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Otto J. Pilzer, 2011-08-01