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- Astronomie im Berchtesgadener Land -

Der Sternenhimmel im November 2013

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Die abgebildete Sternkarte ist für den 15. November um 21 Uhr MEZ erstellt und zeigt den Sternenhimmel entsprechend am Monatsanfang rund eine Stunde später sowie am Monatsende ca. eine Stunde früher. M31 stellt die Andromeda-Galaxie dar, die hellste Galaxie am nördlichen Himmel und die einzige ihrer Art, die bei uns mit bloßem Auge beobachtet werden kann. Bei M13 handelt es sich um den hellsten Kugelsternhaufen am nördlichen Himmel, bei M42 um den bekannten Orionnebel im "Schwertgehänge" des Sternbilds Orion. Wenn sie hoch genug über dem Horizont stehen (bei M13 nur in den frühen und bei M42 ab den späteren Abendstunden), sind alle schöne Feldstecher-Objekte; M31 und M42 sind nach Adaption an die Dunkelheit leicht mit bloßem Auge sichtbar, bei M13 gelingt dies nur unter guten Bedingungen. Bzgl. Jupiter vgl. den Text. Otto Pilzer
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Zu Monatsbeginn erreicht die Venus mit über 47 Grad ihren größten östlichen Winkelabstand zur Sonne. Da sie momentan jedoch im Sternbild Schütze fast ihre südlichste Stellung innehat, ist sie um 21 Uhr, dem Zeitpunkt, für den die Sternkarte erstellt wurde, schon untergegangen. Drei Stunden früher kann man sie während der Abenddämmerung jedoch tief im Südwesten problemlos auffinden. Mit -4,5mag leuchtet sie nämlich so hell, wie kein anderes Gestirn. Lediglich unser Mond und natürlich die Sonne übertreffen sie dabei. Auch im Fernrohr ist sie schön anzuschauen, da sich ihre Sichelgestalt immer deutlicher ausprägt, weil sie sich bei ihrem Lauf um die Sonne momentan der Erde nähert. Während sie sich Anfang des Monats noch als Halb-Venus zeigt, wird sie gegen Monatsende nur noch zu einem Drittel beleuchtet. Auch ihr scheinbarer Durchmesser nimmt während dieser Zeit von 25 auf 37 Bogensekunden zu.

Als zweithellster Planet leuchtet der Gasriese Jupiter mit -2,5 Magnituden (mag) fast die ganze Nacht. Er beginnt im November seine Oppositionsschleife in den Zwillingen. Anfang Januar gelangt er in Opposition, aber bereits jetzt findet man ideale Beobachtungsbedingungen für die Monde und die Wolkenstrukturen seiner Oberfläche vor. Zudem ist es momentan noch nicht so kalt, wie es später für den Januar normalerweise zu erwarten sein wird.

Der sonnennahe Merkur zeigt sich ab dem 10. November am Morgenhimmel. Seine Helligkeit steigert sich dann von ca. 1mag bis in den negativen Bereich. Die beste Sichtbarkeit stellt sich um die Monatsmitte ein, aber sogar bis Ende November kann man ihn verfolgen. Man findet ihn im Übergangsbereich von Jungfrau und Waage.

Auch Mars, der äußere Nachbar der Erde im Sonnensystem, kann am Morgenhimmel aufgefunden werden. Er geht um etwa 1:30 Uhr auf und wechselt in der zweiten Monatshälfte vom Löwen ins Sternbild Jungfrau. Mit seinen 1,4mag ist er kein auffälliges Objekt, lediglich die rötliche Färbung seines Lichts kann ihn verraten.

In den Genuss eines eher seltenen Ereignisses kommen wir am 2. November während der späten Morgendämmerung - zur Bedeckung eines hellen Sterns durch den Mond. Im Prinzip kommt es sehr häufig zu Sternbedeckungen durch den Mond, jedoch sind davon nur selten helle Sterne betroffen, in diesem Jahr z.B. zwei mal. Interessanterweise handelt es sich beide Male um die 1,0mag helle Spica in der Jungfrau. Die erste Bedeckung am 8. September konnten nur Spezialisten verfolgen, da dieses Ereignis am Taghimmel stattfand. Zumindest den Beginn der Bedeckung können diesmal aber alle Interessierten beobachten. Die extrem schmale Mondsichel (31 Stunden vor Neumond!) nähert sich langsam dem Stern und bedeckt ihn kurz nach 6:30 Uhr, "knipst" sein Licht quasi von einem Moment zum anderen aus. Am Besten lässt sich das Geschehen mit dem Fernrohr oder Feldstecher verfolgen. Das Wiederauftauchen von Spica am dunklen Mondrand kurz nach 7:05 sollte nur von "Profis" verfolgt werden, da zu diesem Zeitpunkt die Sonne bereits aufgegangen ist und es einfach zu gefährlich ist, mit einem lichtsammelndem Instrument in diese Richtung zu schauen. Schon in Sekundenbruchteilen können die Augen irreversibel geschädigt werden, wenn die Sonne z.B. versehentlich ins Blickfeld des Fernglases gerät.

Um 21 Uhr wird der Süden vom Herbststernhimmel dominiert. Das Pegasus-Quadrat hat die Kulmination gerade vollendet und Andromeda folgt ihm auf den Fuß. Auch die kleinen Sternbilder Dreieck und Widder südlich von Andromeda stehen schon sehr hoch und sind leicht aufzufinden, obwohl sie eher zu den Unbekannteren gehören. Schwieriger sind dagegen die Fische zu identifizieren, da ihnen ausschließlich leuchtschwache Sterne angehören. Gleiches gilt für den horizontnahen Walfisch und den sich westlich anschließenden Wassermann. Ganz im Westen dominieren nach wie vor die Sommersternbilder. Deren wichtigste Vertreter Adler, Schwan und Leier finden sich noch alle über dem Horizont. Im Osten schickt sich dagegen der Winterhimmel an, das Regiment zu übernehmen. Neben dem Stier sind auch schon die Zwillinge und der Himmelsjäger Orion aufgegangen. Fuhrmann und Perseus komplettieren den Sternbildreigen innerhalb der Milchstraße, die sich momentan von Osten quer über den Zenit bis zum Westhorizont erstreckt.

Wird Komet ISON freisichtig?

Nach dem relativ hellen Frühjahrs-Kometen PANSTARRS könnte in diesem und nächsten Monat auch ISON, der zweite helle Komet dieses Jahres (genaue Bezeichnung: C/2012 S1, ISON) freisichtig werden. Die extrem streuenden Prognosen reichen sogar bis zur Vollmond-Helligkeit, jedoch erscheinen Werte bis -5mag (ähnlich Venus) realistischer. Der Grund für die starken Streuungen ist, dass wir von diesem Kometen das erste Mal besucht werden, er der Sonne mit 0,012 AE äußerst nahe kommt (Abstand nur 1,3 Sonnendurchmesser) und es ihn beim Perihel am 28. Nov. durch die extreme Sonneneinstrahlung sogar "zerlegen" könnte, so dass von ihm trotz seines Durchmessers von ca. 4 Kilometern im weiteren Verlauf nichts Sichtbares mehr übrig bleibt.

Anfang November findet man ISON etwa 10 Grad östlich des Planeten Mars am Morgenhimmel. Mit einer erwarteten Helligkeit von ca. 8mag sollte er auch im kleinen Teleskop zu finden sein. Seine Helligkeit nimmt jetzt mit ca. 1mag pro Woche zu. Am 7. trifft er auf Beta Virginis, den zweithellsten Stern in der Jungfrau. Für Mitte November sind ca. 6mag prognostiziert, was im Feldstecher kein Problem darstellt und dann auch einen langen Schweif sichtbar werden lassen sollte. Am 18. November steht er bei Spica. Unter weiterem Helligkeitsanstieg bewegt er sich schnell auf die Sonne zu, so dass in der dritten Novemberwoche die Morgendämmerung zum Problem wird. Ob er dann mit bloßen Augen zu sehen sein wird und wie lange man ihn noch beobachten kann, hängt entscheidend von seiner Helligkeitsentwicklung ab. Um die Zeit des Perihels am 28. könnte es zu einem außergewöhnlichen Helligkeitsanstieg kommen. Falls ISON die Sonnenpassage übersteht, taucht er im Laufe der ersten Dezemberwoche evtl. freisichtig wieder am Abendhimmel auf. Wegen der unsicheren Prognosen kann ISON jedoch jederzeit für eine Überraschung sorgen, so dass es nicht schadet, öfters mal einen Blick auf ihn zu werfen. Hoffen wir deshalb auf viele klare Nächte.

Mehr Hintergründe und einen Rückblick auf die beiden anderen Kometen dieses Jahres finden Sie in unserem Monatsthema.

Bernhard Kindermann


Zum Monatsthema November 2013

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Otto J. Pilzer, 2013-11-01